Wir investieren in Bildung!

Julien Bender

Sehr geehrter Herr OB, liebe Kolleginnen und Kollegen.

man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, wir diskutieren über die Erweiterung eines Gymnasiums, den Bau eines neuen Gymnasiums und einer Gemeinschaftsschule. Musik in den Ohren jedes Bildungspolitikers.

Trotz aller Euphorie gilt es genau hinzuschauen, denn es finden sich durchaus kritische Aspekte. Einer davon ist die Zeitachse: Erst BG, dann Dietenbach, dann Tuniberg. Warum nicht den Neubau an erster Stelle? Das hätten wir uns gewünscht. Deshalb die Drucksache gänzlich abzulehnen, würde bedeuten, dass erst einmal gar nichts passiert und das wäre fatal.

Umso wichtiger ist es, die Standortsuche jetzt zügig voranzubringen. Hier muss Tempo gemacht werden. Insbesondere da offensichtlich alle auf Opfingen schauen.

Angesichts des Bedarfs im Westen, kann man sich fragen, warum ausgerechnet nun im Osten ein Gymnasium erweitert wird. Auf den ersten Blick macht das wenig Sinn. Der zweite Blick schafft aber mehr Klarheit:

  • Das stärkste Argument: Das Kepler wurde geprüft, hier kommt eine Erweiterung nicht in Frage.
  • Ebenfalls wichtig: Die Erweiterung des BG entlastet auch Gymnasien im Westen.
  • Und nicht zuletzt: SchülerInnen wählen nicht nur die Schule in ihrem Stadtteil. Sondern wählen auch nach Profil. Das BG hat sich auf den Weg gemacht und ein neues Profil entwickelt: IMP.

Wer in Zukunft das Profil Informatik-Mathe-Physik wählen will, wird dafür auch über Stadtteilgrenzen hinweg seinen Weg finden. Da bin ich überzeugt.

Ich komme zu einem für mich sehr viel schwierigeren Thema, dem Neubau eines Gymnasiums am Tuniberg. Wenn ich heute nicht hier im Gemeinderat wäre, säße ich in der Vorstandssitzung des Forum Weingarten.

Wer mich kennt, wer mein politisches Engagement kennt, der weiß, dass es mir eine große Freude gewesen wäre, hier eine kämpferische Rede für ein Gymnasium in Weingarten zu halten. Ich bin oft genug und lange genug in Weingarten unterwegs, um die Argumente zu verstehen. Und lassen Sie es mich sehr deutlich sagen, die Diskussion um die Quartiersarbeit hat nicht nur bei mir einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Ja, ein Gymnasium in Weingarten oder noch besser eine Gemeinschaftsschule wäre ein schönes Symbol. Aber schauen wir auch hier ins Detail. Was ist es mehr als ein Symbol? Entscheidet ein Gymnasium im Stadtteil über die Bildungschancen? Wenn dem so ist, dann hätten wir in vielen Stadtteilen ein Problem.

Ich könnte mich bei dem Thema Chancengleichheit in Rage reden. Der Geldbeutel der Eltern entscheidet in einem der reichsten Länder der Welt am meisten über den Bildungserfolg. Wer einmal in allen Schulformen unterrichtet hat, der kann dafür viele Gründe nennen. Ob die Schule aber 10, 20 oder 30 Minuten weit weg ist, gehört weniger dazu.

Auf den Anfang kommt es an. Und ich würde mich hier nicht hinstellen und für ein Gymnasium am Tuniberg stimmen, wenn wir für diesen Anfang, bei den Kitas und der Grundschule in Weingarten nicht viel erreicht hätten. Hier entscheiden sich Bildungsbiographien, hier machen wir viel und müssen trotzdem noch mehr schaffen. Aber das was passiert ist sollten wir auch nicht klein reden. Wir haben uns für die Schulen und Kitas in Weingarten in der Vergangenheit stark gemacht.

Als Stadtrat sollten wir nicht nur einzelne Stadtteile im Blick haben, sondern das große Ganze. Auch wenn mir Weingarten am Herzen liegt und auch wenn ich der Überzeugung bin, dass wir hier einiges nachzuholen haben. Es gehört genauso zum Bild, dass in Opfingen die WRS schließen musste. Dass man den Ortsteilen eine weiterführende Schule versprochen hat. Und dass es hier mit Blick auf die gesamte Stadt mehr Sinn macht zu bauen.

Was ist mit dem Vorschlag zwei Standorte: Tuniberg und Weingarten? Das klingt charmant. Wenn man nicht der Buhmann sein will, dann verspricht man einfach allen alles. Aber ist das sinnvoll? Nein, schon allein, weil zwei kleine Schulen Schwierigkeiten hätten zu bestehen.

Ich hoffe, wir kommen wieder stärker an den Punkt, an dem wir uns nicht in einzelne Stadtteile abgrenzen. Stadtteile haben ihre Geschichte, Stadtteile haben ihre kleine Soziokultur, aber am Ende sind wir eine Stadt. Wenn ich heute für den Standort Tuniberg stimme, heißt das nicht, dass ich gegen Weingarten bin. Und das heißt erst recht nicht, dass ich nicht sehe, welchen Bedarf es hier gibt. Ich will es nochmal wiederholen: Wir sollten keine Mauern projizieren, wo keine sind und dort wo welche in den Köpfen existieren sollten wir sie einreisen.

Das heißt ganz praktisch für mich: Wenn es wirklich so sein sollte, dass Kinder aus Weingarten überproportional beim Übergang auf das Gymnasium abgelehnt werden. Dann dürfen wir das nicht hinnehmen. Dann, das verspreche ich, werden wir diese gedankliche Mauer gemeinsam einreisen. Wir werden das prüfen und im Blick behalten.

So sehr ich den Wunsch aus Weingarten verstehen kann, es gibt gute Argumente für den Standort am Tuniberg. Umso wichtiger ist es, von Seiten der Stadt gut zu kommunizieren und mit den Akteuren in Weingarten weiter im Gespräch zu bleiben.

Zum Schluss: Ich bin ein großer Fan der Gemeinschaftsschule. Trotzdem bewerten wir den Antrag der Grünen mit gemischten Gefühlen. Die SPD war die treibende Kraft im Land, als es um die GMS ging. Trotzdem werden Sie sehen, dass unsere Fraktion nicht einheitlich abstimmt. Denn technisch gesehen hat eine GMS dort keine Chance. Warum also überhaupt so tun als ob? Aber wird sind eben im Herzen große Befürworter der GMS.

Wir sehen vor der aktuellen Landespolitik wenig Chancen für eine GMS. Wir hoffen aber, dass die Grünen, die hier Antragsteller sind ihren grünen Ministerpräsidenten endlich überzeugen. Bisher ist der mir nicht als Vorkämpfer der GMS aufgefallen.

Außerdem muss man auch anerkennen, dass sich der OR klar für ein Gymnasium ausgesprochen hat.

Wenn einzelne Stadträte von uns gegen diesen Antrag stimmen, dann nicht, weil sie gegen die GMS mit integrierter OS sind. Wir stehen voll und ganz hinter Dietenbach: hier liegt die Priorität für eine GMS.

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