Gemeinschaftsschule Dietenbach

Julien Bender

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Dezernenten,
sehr geehrte Damen und Herren,

100 Millionen Euro. Wissen Sie, was die erste Reaktion meiner Schülerinnen und Schüler war? Bauen Sie da goldene Wasserhähne ein? Das ist exakt dieselbe Reaktion meines früheren Chefs, als 2015 in der Badischen Zeitung stand: „Gesamtprojekt Staudinger soll über 100 Millionen Euro kosten“. Mein alter Chef und meine heutigen Schüler, das sind zwei vollkommen unterschiedliche Lebenswelten. Trotzdem die gleiche verwunderte Reaktion.

Da passt es, J. F. Kennedy zu zitieren: Es gibt nur eins, das auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung. Wir freuen uns, dass Bildung eine zentrale Stellung im neuen Stadtteil einnehmen wird.

Allerdings: Der Sanierungsstau im Bildungsbereich ist erschlagend groß. Da sind kritische Töne nicht verwunderlich. Brauchen wir diese Schule? Ja, wir brauchen sie!

Mit Blick auf den weiteren Schulausbau will ich aber fragend anmerken: Muss es immer das Leuchtturmprojekt sein für wenige, kann es nicht manchmal auch eine Nummer weniger spektakulär sein und dann aber für mehr reichen?!

Aber zur Drucksache:

Wir sind froh, dass eine Mehrheit in Freiburg den Sinn des längeren gemeinsamen Lernens erkennt.

Keine Frage, es gibt gute und es gibt nicht so gute Gemeinschaftsschulen. Es gibt gute Realschulen und es gibt nicht so gute Realschulen.

Am Ende kommt es weniger auf die Systemfrage, sondern auf die Ausstattung der Schulen an. Wer Kindern aus allen gesellschaftlichen Schichten gute Chancen geben will, muss Multiprofessionelle Teams an allen Schulen etablieren. Dafür zeichnen wir uns als Schulträger aber nicht verantwortlich, da muss das Land mehr machen.

Die SPD (und auch die Kulturliste) steht zur Gemeinschaftsschule. Da verwundert es nicht, dass wir auch jetzt für sie kämpfen. Der Geldbeutel der Eltern oder anders gesagt, der Wohnort entscheiden immer noch maßgeblich über den Bildungserfolg und leider nicht das Talent.

Das hängt auch damit zusammen, dass wir nach der vierten Klasse die Kinder trennen. Und ja, es gibt die Möglichkeit, von der Hauptschule an die Uni zu kommen. Der Weg ist aber steinig, um nicht zu sagen, da liegen ganze Felsbrocken und deswegen ist das auch die absolute Ausnahme. Wer einmal die Abzweigung nach der 4. Klasse genommen hat, wechselt selten den Weg.

Auf Seite 14 des Pädagogischen Konzepts steht einer der Vorzüge einer GMS: Es gibt ein „Lehrerkollegium mit einem ausgeglichenen Verhältnis“. Gemeint ist ein Kollegium aus Lehrern unterschiedlicher Schularten. Wie wichtig das ist, kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Ich habe das Privileg am Gymnasium und an der WRS/RS unterrichtet zu haben. Es mangelt an den einzelnen Schulen häufig am Wissen über die anderen, auch das verhindert Durchlässigkeit. Wenn alle beieinander sind, dann kann man auch den meisten Kindern besser gerecht werden. Und es ist ja nicht so, dass es die anderen Schulformen nicht weiterhin gäbe.

Kurzum, ich bin froh, dass wir hier ein deutliches Signal für die Gemeinschaftsschule setzen, auch wenn – oder gerade weil – diese Schulform in der momentanen Landesregierung keinen guten Stand hat.

Ein Satz ist mir aber sauer aufgestoßen: Da ist die Rede von 50% gefördertem Wohnraum und deshalb sei die Bevölkerung durchmischt und man brauche eine Schulform, die dem gerecht wird. Das ist Schubladendenken der alten Sorte. Reiche Stadtteile brauchen Gymnasien, armen Stadtteilen reicht die Hauptschule. Es macht mich wütend, dass wir es bis heute nicht schaffen, diesen Zusammenhang aus den Köpfen zu bekommen und er immer noch Realität ist. Umso weniger sollte diese Denkweise aber Handlungsmaxime für eine Schule der Zukunft sein. Zum Glück ist es nur ein Satz, der Kontext ließt sich sehr viel fortschrittlicher!

Ein weiteres wichtiges Thema: Inklusion

Gemeinschaftsschulen sind immer inklusive Schulen. Es ist daher keine Besonderheit, dass auch diese Gemeinschaftsschule eine inklusive Schule werden muss. Es verwundert dann aber doch, dass das Konzept zur Inklusion nicht inklusiv ist, sondern angehängt wurde. Hier muss nochmal nachgebessert werden. Die Verwaltung hat aber gezeigt, dass sie das Thema auf dem Schirm hat und hier gute Grundlagen für eine inklusive Beschulung stellen wird.

Zum Raumkonzept und damit verbunden Ideen des pädagogischen Konzepts

Der Raum ist der 3. Pädagoge. An diesem Satz ist sehr viel Wahres. Und verantwortlich für die Räume sind wir als Kommune. Deshalb ist es gut, dass man hier einen sehr mutigen Schritt geht und dem Vorbild von Wutöschingen folgt.

Ich warne aber davor, einfach zu kopieren. Gutes entsteht dann, wenn man Bewährtes aufgreift und mit eigenen Ideen und Visionen weiterentwickelt.

Unsere Aufgabe als Kommune ist es, die Hülle für diese Schule zu schaffen. Allerdings stellen wir dadurch bereits viele Weichen für das spätere Leben in der Schule. Deshalb ist es sinnvoll, sich dazu Gedanken zu machen.

Die Verwaltung hat hier ganze Arbeit geleistet: Ein pädagogisches Grundkonzept mit guten Schwerpunkten, das uns zeigt, was wir bauen müssen und trotzdem noch genügend Platz lässt, den die Schulgemeinschaft einmal füllen kann

Es ist ein pädagogischer Grundstein, auf den eine neue Schulgemeinschaft aufbauen kann. Wir sollten uns auch hüten, hier engere Grenzen zu setzen.

Wir kennen nicht die Pädagogen, die einziehen, wir kennen nicht die Eltern, die hier mitwirken werden. Und wir kennen natürlich auch keine Schülerinnen und Schüler.

Aber wir legen jetzt den Grundstein, dass sie alle Räume vorfinden, in denen sie IHRE Schule von morgen gestalten können. Kurzum: warme und offene Räume, die zum Verweilen einladen.

Zum Abschluss ist mir noch wichtig, zu sagen, dass wir in Freiburg sehr viele großartige Schulen haben, die nicht damit gesegnet sind, komplett neue Räume zu bekommen. Wir müssen trotz der massiven finanziellen Belastungen weiter alle Schulen im Blick behalten.

So unterschiedlich Kinder sind, so unterschiedlich sollte auch die Schullandschaft sein. Pädagogen können dann ihre Arbeit am besten machen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Deshalb ist der Grundstein, den wir heute legen, so wichtig und deshalb sollten wir keine halben Sachen machen.

Unterm Strich: Meine Fraktion unterstützt die Pläne zum Bau einer GMS für den neuen Stadtteil.

Quellen:
https://www.badische-zeitung.de/gesamtprojekt-staudinger-soll-ueber-100-millionen-euro-kosten–104011876.html

Der Beitrag hat Ihnen gefallen?

Share on facebook
Share on Facebook
Share on twitter
Share on Twitter