Fortschreibung Sozialbericht 2020

HP_Karin Seebacher und Renate Buchen

Der vorliegende Sozialbericht 2020 liest sich spannend und beklemmend zugleich. Er ist spannend, weil er, wie schon sein Vorgänger aus dem Jahr 2017 in die Tiefe gehend ein Bild von Freiburgs Bevölkerungs-zusammensetzung zeichnet, das in der detaillierten Nacktheit der statistischen Zahlen kaum noch Fragen offenlässt. Die geneigten Leser_innen könnte sich fast in der Lektüre der Zahlen und der Einzelbetrachtungen verlieren, wäre da nicht die beklemmende Erkenntnis, dass sich in wesentlichen Punkten in den vergangenen Jahrzehnten nichts zum Besseren verändert hat. Es scheint ein unverrückbares Gesetz zu sein, dass es in Freiburg Stadtteile gibt, in denen Menschen überproportional arm und chancenlos sind.

Seltsam überrascht wirken Menschen, wenn sie lesen, dass Weingarten in nahezu allen Kategorien die Negativliste anführt. Hier leben die meisten Menschen, die auf Transferleistungen angewiesen sind, sie haben hier das höchste Armutsrisiko, wenn sie es nicht schon sind, und die Menschen haben hier das schlechteste formale Bildungsniveau. Anscheinend hat sich Freiburg an die Aufzählung der Stadtteile gewöhnt, auf die das alles zutrifft und selbstverständlich führt Weingarten die Liste an, in der dann Landwasser, Haslach und Brühl üblicherweise folgen. Für die Stadtratsfraktion SPD/Kulturliste stellt sich aber die Frage, ob wir nach den vielen Jahren des Wissens um diesen Umstand nicht eher überrascht sein müssten, dass es hier keine Entwicklung zum Besseren gibt. Gerne wird hier verschiedentlich auf die vielen Investitionen ins Soziale verwiesen, die gerade in Weingarten seitens der Stadt getätigt werden, ohne aber darauf abzuheben, dass diese angesichts der Aufgaben kaum ausreichend sein können. Gerne wird auch versucht, den Verkauf von städtischen Wohnungen oder von Wohnungen der Freiburger Stadtbau damit zu begründen, dass dies gut wäre für die soziale Durchmischung, als könnte der Verkauf dieses preiswerten Wohnraums hier irgendetwas bewirken. „Wer die preiswerten Wohnungen in der Sulzburgerstr. vorgeblich aus sozialen Gründen verkaufen möchte, der lenkt von den wahren Problemen ab und ist nur daran interessiert, die Eigentumsquote in der Statistik zu erhöhen“, kritisiert Karin Seebacher, Mitglied im Sozialausschuss.

„Die SPD/Kulturliste spricht sich angesichts der weitgehend verfestigten Situation, die der Sozialbericht 2020 in Freiburg aufzeigt, entschieden dafür aus, dass die vorhandenen Instrumente geschärft, angepasst und gegebenenfalls ausgebaut werden“, führt Renate Buchen, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, aus. So muss in den Stadtteilen, in denen vermehrt verfestigte Familientraditionen in Transfersystemen bestehen, die sozialarbeiterische Begleitung der Menschen enger und individueller werden. Insbesondere bei jungen Menschen müssen neue Chancen auf den Aufstieg durch Bildung geschaffen werden. Überall da, wo es das Elternhaus aus unterschiedlichsten Gründen nicht leisten kann, Kinder und Jugendliche so zu fördern, dass sie Bildungschancen nicht nur haben, sondern auch nutzen, muss dies durch die öffentliche Hand sichergestellt werden. Da hier nicht nur die Stadt in der Pflicht ist, sondern auch ganz entscheidend das Land, ist es nun an der Zeit, die Kräfte zu bündeln.

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